....hat für mich in den letzten Jahren zunehmend seinen Reiz verloren. Früher bestand ein Radioprogramm aus 90 Prozent Musik, die von den Moderatoren nur für die Ansage des nächsten Titels unterbrochen wurde. Zu jeder vollen Stunde wurde ein kurzer Nachrichtenbeitrag gesendet, dem evtl. noch ein kurzer Beitrag aus dem Verkehrsstudio folgte. Musiktitel wurden ausgespielt und nicht durch unqualifiziertes Gelaber eine pseudogutgelaunten Moderators unterbrochen. Heute ist das Radioprogramm eine einzige Quälerei und es spielt überhaupt keine Rolle, ob man einen privaten oder einen öffentlich-rechtlichen Sender einschaltet. Werbung ist bei beiden Finanzierungsformen von großer Bedeutung. Ich konnte mich noch an schlecht produzierte Werbebeiträge für Küchenstudios oder Autoglasreparaturfirmen gewöhnen, aber was mir gänzlich jeden Hörgenuss vergällt, das sind die ständig gut gelaunten Moderatoren des Dudelfunks. Inzwischen lässt fast jeder Sender ein Moderatorenpaar in den frühen Morgenstunden auf die Hörer los. Mit nicht-lustigen Dialogen, bei denen meistens der weibliche Moderatorenteil als besonders Schlagfertig dargestellt wird, verbrät man die Sendezeit, um sie nicht mit Musikbeiträgen belegen zu müssen. Mehrmals stündlich werden dann noch Jingles (Claims) mit Eigenwerbung eingespielt, die an Fröhlichkeit nicht mehr zu überbieten sind und dem Hörer Lust auf das Programm oder ein besonderes Event machen soll. Im Abstand von 30 Minuten werden vorproduzierte Wettervorhersagen eingespielt, die sich nicht mehr auf das präsentieren von Fakten beschränken, sondern noch komplett unwichtige Zusatzinformationen über Wolkenbildung, Inversionswetterlagen und Körnigkeit der Schneeflocken liefern. Die restliche Zeit wird mit Musiktiteln gefüllt, deren Varianz sich auf maximal 30 Titel beschränkt. Hierbei werden Künstler, die bei einem vom Sender organisierten Event vertreten sind, besonders oft gespielt. Natürlich wird kein einziges Musikstück vollständig ausgespielt, jeder Titel wird entweder am Anfang oder am Ende vom Moderator kaputt gequatscht, so dass auch der letzte Freak am Kassettenrecorder sein Tape frustriert in die Ecke feuert. Die Namen des Titels oder des Künstlers werden rundsätzlich nicht genannt, es sein denn sie sind Teil eines der oben genannten Events, dann wird Hörer mit Zusatzinformationen zugemüllt bis ihm die Ohren bluten. Ich kann mich mit dem Radio nicht mehr identifizieren und schalte es nur noch an, um zur vollen Stunde die Nachrichten zu hören. Musik gibt es bei mir nur noch von CD und aktuelle Informationen hole ich mir zielgerichtet aus dem Internet. Wenn es morgen kein Radio mehr gebe, ich würde es nicht vermissen...
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