...fand gestern Abend im Gemeindehaus in L. statt. In unserem Dorf soll eine Lärmschutzmauer errichtet werden, die den älteren Ortsteil von dem Lärm, der von der Bahnstrecke ausgeht, abschirmt. Die Informationsveranstaltung, die von einem unabhängigen Ingenierbüro durchgeführt wurde, war für 19 Uhr angesetzt. Als wir um 18:59 uhr im Gemeindehaus ankamen, war die Präsentation bereits im Gange, so dass wir nur noch Plätze in der letzten Reihe bekamen. Als erstes habe ich erfahren, dass die Lärmschutzwand bereits beschlosse Sache ist und jetzt nur noch geklärt werden muß wie hoch das Teil werden soll. In dem Raum herrschte keinerlei Disziplin, jeder brüllte seine Argumente ungefragt in die Menge, die schienennahen Anwohner wollten alle einen Lärmschutz haben, waren aber nicht bereit irgendwelche Kompromisse einzugehen. Man muß sich eben entscheiden, ob man einen vollsonnigen Garten oder ein lärmgeschütztes Grundstück haben möchte. Ein Kasper regte sich darüber auf, dass es durch die Errichtung der Wand zu erhöhtem Baulärm kommen wird, der ihm die Nachtruhe raubt. Selbst die Tatsache, dass dies nur ca. 3 Wochen dauern würde und er danach für die nächsten Jahre wesentlich mehr Ruhe hat als bisher, konnten den Typen kaum beruhigen. Wie doof kann man eigentlich sein? Ich glaube kaum, dass es schnell zu einer einvernehmlichen Lösung kommen wird, wahrscheinlich wird die Lärmschutzwand so lange diskutiert bis die Bahn die Lust verliert. Mir kann es eigentlich egal sein, denn mein Haus steht weit genug von der Bahnlinie entfernt - mehr als ein samftes Rauschen kommt bei uns nicht an. Ich kann nur die armen Anwohner bedauern, die sich ihr Ruhebedürfnis an die Backe klatschen können, weil sein Nachbar seine Tulpen lieber in der Sonne betrachtet.
Donnerstag, 31. Januar 2008
Viel Nichts um Lärm...
Freitag, 25. Januar 2008
An diverse Wunderlichkeiten...
...die das tägliche Dorfleben so hervorbringt, habe ich mich immer noch nicht gewöhnt. Wenn man von einer 40.000 Einwohner Stadt in ein 6.000 Seelen Kaff zieht, dann ist es völlig klar, dass dies einige Veränderungen mit sich bringt. Ich hatte vermutet, dass es nicht so einfach ist in die Dorfgemeinschaft integriert zu werden, denn "Reingeplagte" werden immer mit Argwohn betrachtet und vorerst auf Abstand gehalten. Falsch gedacht, die "Ureinwohner" von L. haben zwei stark ausgeprägte Eigenschaften, sie sind sehr höflich, aber auch sehr neugierig. Eine dumme Konstellation, denn beides passt nicht so recht zusammen. Wie will man über den neuen Bürger etwas herausfinden, wenn einem die Höflichkeit verbietet diesen bis auf die Knochen auszufragen. Genau, man lässt sich etwas einfallen, um die gewünschten Informationen aus der Person herauszulocken. Als Hundebesitzer hat man einen riesen Vorteil, die Leute haben sofort ein Thema, mit dem sie ein Gespräch beginnen können. Nach den anfänglichen Komplimenten über Größe und Aussehen des Hundes geht es dann sofort in die Vollen. Die Universalmethode scheint hier die Thesenwiderlegung zu sein, die jeder, der auch nur halbwegs rhetorisch bewandert ist, sofort durchschaut. Besonders die "Dorftratsche" schreckt vor keiner Unterstellung zurück, um an das gewünschte Ergebnis zu kommen. Ein großes Mysterium ist mein Beruf, um mir diesen zu entlocken wurde vor Kurzem behauptet, dass ich ein Arzt sei - man wisse allerdings noch nicht, ob ich in einem Krankenhaus angestellt wäre oder eine eigene Praxis besitze. Ich finde das goldig, und solange mir keiner auf der Straße sein Furunkel zeigt, werde ich einen Teufel tun, um diese Behauptung zu widerlegen. Ich mache mir einen Sport daraus mit zweideutigen Antworten und Aussagen für noch mehr Verwirrung zu sorgen, so dass sie Dame nach dem Gespräch genauso viel weiß wie davor. Eine weitere Tatik ist das Hoffen auf Informationsaustausch. Ungefragt bekommt man das halbe Leben des Anderen erzählt, in der Hoffung, dass der Gesprächspartner darauf einsteigt und ebenfalls etwas über sich preis gibt. Ich setze dann einen interessierten Gesichtsausdruck auf und lasse sie reden, wenn das Gespräch stockt, dann stelle ich eine Zwischenfrage und kurbele damit den Redefluß wieder an. Irgendwann stehen wir dann vor meiner Haustür und die Tratsche hat rein gar nichts über mich erfahren, weil sie die ganze Zeit nur über sich selbst geredet hat. Immerhin weiß ich jetzt, dass sie vier Töchter hat, eine davon in meiner Nachbarschaft wohnt, ihr Hund eine dumme Nuss ist und dass sie als Reinigungskraft in der Chemiefabrik am Ortsausgang wohnt.
Ebenso erfolglos ist die "Vonhintendurchdiebrustinsauge"-Methode, durch gezielte Komplimente wird versucht das Gespräch in eine bestimmte Richtung zu lenken, um an Informationen zu kommen. Klappt auch nicht, denn nichts ist leichter als so ein Gespräch in eine Einbahnstraße zu verwandeln, es reicht aus die Komlimente zu bestätigen. "Sie haben aber ein schönes Auto, das war bestimmt sehr teuer. Aber sie verdienen sicherlich gut und können es sich leisten". "Ja, das Auto gefällt mir auch sehr gut, ich leiste mr das gerne". Wieder hat die Dame nichts erfahren, was sie nicht schon längst wußte. Hätte die Tratsche einen durchsichtigen Kopf, dann können man sehen, wie die Zahnräder heißlaufen...
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