Mittwoch, 27. Februar 2008
Ich bin sozial isoliert...
...das wollte mir gestern wieder einer der Hardcore-Dorfbewohner einreden. Wieder einmal wurde ich auf meiner Gassirunde das Opfer eines Mitmenschen mit gesteigertem Mitteilungsbedürfnis. Manche Leute können es einfach nicht akzeptieren, dass es doch tatsächlich Menschen gibt, die sich nicht von ihnen volllabern lassen wollen. Ich habe stets die Ohrhörer meines MP3-Players eingestöpselt und erwecke auch sonst nicht den Eindruck als würde ich ein Gespräch suchen. Es gibt für mich nichts entspannenderes als nach der Arbeit 1-2 Stunden mit dem Bellman durch die Felder zu ziehen, Musik zu hören und dabei den Stress des Tages von mir abtropfen zu lassen. Eigentlich sollte selbst der Doofeste erkennen, dass so jemand wie ich nicht gerade Gesprächsbereitschaft signalisiert, aber ich habe, wie so oft, die Penetranz der Dorfbewohner unterschätzt. Gestern habe ich einen Mann erwischt, der mir gelegentlich über den Weg läuft und mit dem ich bisher noch nie ein Wort gewechselt hatte. Wir waren noch ein ganzes Stück voneinander entfernt, als er mir fuchtelnden Bewegung klarmachte, dass ich doch meine Ohrhörer herausnehmen soll. Irgendwie erschien er mir ein wenig aufgeregt, so dass ich seiner Aufforderung nachkam und mich von "Genesis: Suppers Ready"verabschiedet habe. Es kam wie es kommen musste, gleich die erste Frage war dämlich. "Gehen sie auch hier entlang, ich begleite sie ein Stück, dann können wir uns unterhaltenâ". .oO(Wo sollte ich denn sonst hingehen, der Weg führte nur in eine Richtung, und da ich nicht fliegen kann, werde ich wohl den Pfad nicht verlassen, außerdem will ich mich nicht unterhalten.) Irgendwie muss ich vergessen haben die große Leuchtreklame mit der "Bitte quatsche mich voll!"Aufforderung abzuschalten. Ich bin ein ansatzweise höflicher Mensch, deshalb habe ich darauf verzichtet ihm zu sagen, was er mich alles kann und wie stark ich an einem Gespräch mit ihm interessiert bin. Die ersten Kommentare von ihm habe ich noch mit einem desinteressierten Brummen beantwortet, aber dann begann das unvermeidliche Verhör. "Ich sehe sie immer nur mit ihrem Hund spazieren gehen, sind sie denn in keinem Verein?â". Aua, das zeugt von großem Talent, er hat bereits nach 2 Minuten meinen wunden Punkt getroffen und mich auf eines meiner Lieblingsreizthemen angesprochen. Ich hasse Vereinsmeierei, bin in keinem Verein, werde keinem beitreten und unterstütze auch keinen. Noch überragte meine Höflichkeit und ich antwortete wahrheitsgemäß, dass ich keine Vereine mag und auch keinerlei Mitgliedschaft anstrebe. Hätte ich doch meine Klappe gehalten, denn diese Anwort provozierte einen Monolog von mehreren Minuten, der mir all die Vorzüge des Vereinslebens in den schillernsten Farben schilderte und alle Menschen, die kein Mitglied in irgendeiner Vereinigung sind, mit dem einzigen Bewohner einer einsamen Insel gleichstellten. Ich würde niemals die wichtigen Leute kennen lernen, es würde mir schwerfallen in der Dorfgemeinschaft aufgenommen zu werden und stets der "Zugezogene"bleiben. Mein Gesprächspartner veränderte in diesem Moment seine Rangstufe auf meiner persönlichen Liste der zufälligen Bekanntschaften. Er machte einen Sprung von "seltsamer Mensch auf gleichem Planeten"auf "Labernder Nervbert ohne Mute-Tasteâ". Ich setzte einen betroffenen Gesichtsausdruck auf und beging einen Kardinalsfehler indem ich den Satz "Ach, ist das so?"sagte. Wie konnte ich nur so blöd sein und sein Geschwätz auch noch hinterfragen? Er hatte den Satz völlig falsch verstanden und glaubte darin einen Hilferuf von mir zu erkennen. In einem Anfall mitbürgerlicher Fürsorge zählte er mir all seine Vereinsmitgliedschaften auf und bot mir mehrfach an mich mitzunehmen, damit ich mich selbst von den Vorzügen der Zugehörigkeit überzeugen kann. Dieser Mann hatte wirklich eine Vollklatsche, es gibt keinen Verein, keine Interessengemeinschaft und keine sonstige Vereinigung, in der er nicht Mitglied ist. Ich kann mich nicht mehr an alles erinnern, aber er ist Mitglied im Radfahrverein, bei der SPD, im Männerchor, im Kegelverein, bei den Hundefreunden, im Jazzclub und im Kerweverein. Danach folgte eine Aufzählung der (seiner Meinung nach) wichtigen Menschen, die ebenfalls in diesen Vereinen Mitglied sind. Ich habe mir verkniffen zu fragen, welchen Vorteil es ihm bringt, wenn er im gleichen Chor wie sein Zahnarzt singt oder wo sein Benefit in der Bekanntschaft des Friedhofgärtners liegt. Es folgte eine ausführliche Beschreibung der letzten Radtour, bei der Monika, das ist die Frau des Kassenwarts, solche Probleme mit dem Magen hatte und sie ständig hinter den Baum musste. Ständig unterlegte er seine Geschichte mit der Frage "Sie verstehen was ich meine?â". Irgendwann ist mir dann der Kragen geplatzt und ich musste dem Herrn mitteilen, dass es mir völlig egal ist wie viele Bäume Monika auf der letzten Radtour verschissen hat und dass ich mir im Moment nichts sehnlicher wünschen würde als auf eine einsame Insel verbannt zu werden. Das hat den Vogel überhaupt nicht interessiert – im Gegenteil, er hat mir auch noch die Lieder aufgezählt, die beim nächsten Auftritt des Männerchors neu im Programm sind. Hätte ich einen Revolver besessen, ich hätte ihn erschossen. Irgendwann sind wir dann an eine Kreuzung gekommen und ich habe ihn gefragt welchen Weg er nehmen würde. Darauf hat er mich gefragt welchen denn ich gehen werde und ich konnte nicht anders als zu antworten "Ganz egal, hauptsache er führt in eine andere Richtung als ihrer.â" Da war ich ihn los und seinem Gesichtsausdruck zu urteilen werden wir uns niemals wieder unterhalten und mein Ruf wird beim Gesangsverein, beim Radfahrerverein, bei der SPD und bei einigen weiteren Dorfvereinigungen im komplett im Arsch sein. Ein Umstand, mit dem ich leben kann, außerdem werde ich heute Mittag an der Kreuzung einen Strauß Blumen ablegen.
Dienstag, 19. Februar 2008
Ist es so schwer...
- den Satz "Neukunden bitte Vorkasse verwenden"zu verstehen?
- morgens um 5:30 Uhr schneller als 25 KmH in der Ortschaft zu fahren?
- mal für 5 Minuten die Klappe zu halten?
- an mir vorbei zugehen ohne mich anzulabern?
- beim Kaugummi kauen den Mund geschlossen zu halten?
- in der Warteschlange 20cm Abstand zum Vordermann zu halten?
- seinen schwäbischen Dialekt ein wenig zu unterdrücken, wenn Nichtschwaben am Gespräch teilnehmen?
- zu akzeptieren, dass jemand, der 15 Jahre jünger als man selbst ist trotzdem Ahnung von etwas haben kann?
- zu verstehen, dass Praktikanten niemals den letzten Kaffee aus der Kanne nehmen dürfen?
- pünktlich zu einem Termin zu erscheinen?
- auf der Toilette nicht zu rauchen?
- keine animierten .gif-Grafiken in einer Geschäftsmail zu verwenden?
- die Lautstärke seines Klingeltons unterhalb dem Niveau einer Luftschutzsirene zu halten?
- einen Satz mit weniger als 25 Fremdwörter zu sprechen?
- in den 30 Minuten Mittagspause keine Geschäftsgespräche am Kantinentisch zu führen?
- auf ein Lachsbrötchen zum Frühstück zu verzichten, wenn man den ganzen Tag Termine hat?
- bei der Arbeit nicht zu pfeifen?
Mittwoch, 13. Februar 2008
Religionsfreies Leben...
...ist in Deutschland nicht möglich. Als ich neulich durch meine Stammblogs gesurft bin, hat mich ein Link auf eine Seite einer (jungen?) Dame verschlagen, die sich in ihrem Blog sehr offensive Glaubensbekenntnisse abgibt. Normalerweise gehen mir solche Leute sonst wo vorbei, ich bin tolerant genug, um jedem seinen Glauben zu lassen. Wenn man mich mit Religion in Ruhe läßt, dann lasse ich die Leute auch in Ruhe. Gleich der erste Beitrag drehte sich um Enthaltung während der Fastenzeit und war so voller haarsträubender widersprüchlichkeiten, so dass ich mir einen Kommentar in dem Blog, der mich auf diese Seite geführt hat, nicht verkneifen konnte. Der Beitrag enthielt einige Seitenhiebe und sollte die Leser unterschwellig zum Mitmachen animieren, schließlich sei dies doch ein sehr starkes Glaubensbekenntnis. Ich selbst bin ein Vertreter des Agnostizismus, bzw. des Ignostizismus und kann mit solchen Aktionen und Aussagen überhaupt nichts anfangen - ich verstehe sie noch nicht einmal. Für mich ist "Russels Teekanne" die beste Erklärung für die Entstehung von Religionen und dem Lügen- und Machtkonstrukt, das nötig ist, um einen Glauben am Leben zu erhalten. Von Zeit zu Zeit pralle ich mit solchen Ultrafrommen aneinander und meistens versuchen sie mich von ihrem Glauben zu überzeugen. Sämtliche Fragen werden mit Floskeln wie "Wie Wege des Herrn sind unergründlich", "Die Wunder des Herrn sind zahlreich und allgegenwärtig" und "Mein Glauben gibt mir Kraft" beantwortet. Nur die letzte Aussage hat bei mir eine Gültigkeit, denn wenn sich jemand durch seinen Glauben besser fühlt, dann hat dieser seinen Zweck erfüllt. Alle anderen Aussagen sind nur der Beweis dafür, dass solche Menschen hilflos sind, wenn es darum geht Dinge zu akzeptieren, die sie nicht erklären können. Krankheiten werden als Glaubensprüfung deklariert, der Tod als Erlösung dargestellt und eine Genesung wird als Wunder bezeichnet. So was ist eine Ohrfeige für die moderne Wissenschaft, es gibt keine Wunder, es gibt nur Forschung. Nächstenliebe, Opfer- und Hilfsbereitschaft werden als christliche Eigenschaft dargestellt und im Umkehrschluss werden Nicht-Christen als Egoisten bezeichnet. Ich brauche keinen Gott und keine Kirche um mich gesellschaftlich zu integrieren und um meinem Beitrag für die Gemeinschaft zu leisten. Ich muss mich nicht veralteten Moralvorstellungen hingeben, die mir von einer Gruppe alter Männer auferlegt wird.
Die Betreiberin dieses Blog gehört zu der Sorte Mensch, mit denen ich überhaupt nichts anfangen kann und denen ich aus dem Weg gehe. Ich habe bereits nach dem ersten Eintrag beschlossen, dass ich diese Seite nie wieder aufrufen werde und meine Meinung in dem verweisenden Blog hinterlassen. Gut, mein Kommentar enthielt die Worte "kotzen"und "Mistâ", aber dies bezog sich ausschließlich auf den Inhalt und war nicht im Mindesten beleidigend. Huch, was hat sich die fromme Dame vielleicht aufgeregt, sie müsse sich nicht beleidigen lassen, sie wäre offen für Diskussionen und überhaupt ist mein Beitrag eine riesige Frechheit. Ich wollte überhaupt nicht diskutieren – selbst wenn sie der letzte Mensch auf Erden wäre, dann würde ich mit ihr keine Diskussion anfangen. Solche Leute leiden unter Realitätsverlust und verstecken sich hinter ihrem Glauben und meinen dennoch, dass sie so etwas wie Weltoffenheit besitzen. Sie hat den Urbeitrag gelöscht und stellt damit eindrucksvoll unter Beweis, dass ihre Behauptung eine Falschaussage ist. Ich habe auch etwas gelernt, wenn ich mal wieder auf so ein Blog stoße, dann kotze ich still vor mich hin und halte meine Klappe.
Die Betreiberin dieses Blog gehört zu der Sorte Mensch, mit denen ich überhaupt nichts anfangen kann und denen ich aus dem Weg gehe. Ich habe bereits nach dem ersten Eintrag beschlossen, dass ich diese Seite nie wieder aufrufen werde und meine Meinung in dem verweisenden Blog hinterlassen. Gut, mein Kommentar enthielt die Worte "kotzen"und "Mistâ", aber dies bezog sich ausschließlich auf den Inhalt und war nicht im Mindesten beleidigend. Huch, was hat sich die fromme Dame vielleicht aufgeregt, sie müsse sich nicht beleidigen lassen, sie wäre offen für Diskussionen und überhaupt ist mein Beitrag eine riesige Frechheit. Ich wollte überhaupt nicht diskutieren – selbst wenn sie der letzte Mensch auf Erden wäre, dann würde ich mit ihr keine Diskussion anfangen. Solche Leute leiden unter Realitätsverlust und verstecken sich hinter ihrem Glauben und meinen dennoch, dass sie so etwas wie Weltoffenheit besitzen. Sie hat den Urbeitrag gelöscht und stellt damit eindrucksvoll unter Beweis, dass ihre Behauptung eine Falschaussage ist. Ich habe auch etwas gelernt, wenn ich mal wieder auf so ein Blog stoße, dann kotze ich still vor mich hin und halte meine Klappe.
Freitag, 1. Februar 2008
Oktroyiertes Halli-Galli...
....herrscht zur Zeit wieder in Deutschland. Früher war ich auch auf diversen Fastnachtsveranstaltungen, aber mit den Jahren habe ich daran komplett die Lust verloren. Wir wundern uns ständig warum wir im Ausland als verknöchert und humorlos angesehen werden, wenn wir ein spezielles Datum benötigen, an dem wir den "Fröhlich"-Schalter umlegen. Ich kann mich noch gut an einige Personen erinnern, die 350 Tage im Jahr das größte Arschloch waren, während sie sich an Fastnacht als reine Spaßfabriken ausgaben. Pure Heuchelei, was soll ich denn von solchen Menschen halten. Was soll ich überhaupt von Menschen halten, die einen bestimmten Termin benötigen, um gut gelaunt zu sein? Das sind doch alles arme Schweine, die ihren Humor unterdrücken und sich selbst etwas vormachen. Noch schlimmer sind die Prunksitzungen, die ewig im gleichen Stil ablaufen und eine Art der Unterhaltung bieten, die bestensfalls für geistig minderbemittelte taugt. Alte Säcke sabbern das Funkenmariechen an und lachen sich das Höschen feucht, wenn ein dämlich gekleidetet Büttenredner einen uralten Kalauer karnevalsrhetorisch aufkocht. Ein schlechter Witz wird durch eine veränderte Betonung auch nicht zum Schenkelklopfer. Noch schlimmer ist das unvermeidbare Männerballett, bei dem sich fette, haarige Männer in ein viel zu kleines und lächerliches Kostüm zwängen, um einen halbepileptischen Tanz aufführen. Das ist nicht komisch - das ist grotesk. Außerhalb der Fastnachtszeit würde man solche Typen einfangen, sie einsperren und anschließend den Schlüssel wegwerfen. Fastnacht ist für mich ein Ereignis, das einem gut organisierten Massenbesäufnis gleichkommt und nichts mehr mit seinen Ursprüngen gemein hat. Soll sich jeder amüsieren, wie er es für richtig hält, aber ich habe keine Lust mehr gegen Leute zu argumentieren, die Fastnachtsmuffel für humorlos und steif halten. Der Tag, an dem mir das Datum meine Laune vorschreibt, ist für mich noch nicht gekommen.
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