...habe ich wieder in meinem Büro. Gestern wurden die kompletten Scheiben an den Außenwänden gewechselt. Durch die ständigen Erschütterungen wurden die Fenster undicht geworden und zwischen der Doppelverglasung hatten wir bei kühleren Temperaturen einen Beschlag mit Kondenswasser. Hat mich nicht wirklich gestört, der Ausblick ist alles andere als romantisch und im Sommer können wir sowieso nur mit geschlossenen Rollos arbeiten, weil die Sonne auf den Bildschirmen blendet. Gegen 9 Uhr rückten die für 7 Uhr angekündigten Handwerker an und regten sich erst einmal fürchterlich darüber auf, dass vor den Fenstern Schreibtische standen, die allesamt nicht abgeräumt waren. Zu diesem Zeitpunkt war ich noch gut gelaunt und lies die Maulerei über mich ergehen, schließlich ist es eine Knochenarbeit und da darf man auch mal schlecht gelaunt sein. Insgesamt mussten 8 Scheiben gewechselt werden und der Austausch einer Scheibe sollte eine Stunde dauern. Soweit die Planung, die Umsetzung sah völlig anders aus. Als ich von einem Besprechungstermin zurück kam stand einer der Handwerker auf meinem Schreibtisch, der natürlich nicht abgedeckt war. Ich hatte wundervolle Schuhabdrücke auf meine Unterlagen und der Handwerker hatte seinen ersten (überhaupt nicht wundervollen) Anschiss des Tages. Nach gut 2 Stunden war die erste Scheibe immer noch nicht montiert und einer der Handwerker steuerte zielstrebig auf meine Kaffeemaschine zu und meinte im unfreundlichen Ton "Wie siehtn des aus, kann man hier a mal einen Kaffee bekommen?"Ich bin kein Unmensch, deshalb habe ich den 3 Jungs einen Kaffee spendiert. Das sollte ich auch gleich bereuen, denn für die nächsten 45 Minuten waren die Fensterbauer verschwunden. Das riesige Loch in der Bürowand, durch das kalte Luft und Regen herein kam, interessierte sie dabei überhaupt nicht. Wie gesagt, nach 45 Minuten kamen sie wieder an, stanken nach Rauch und holten sich ihren 2. Anschiss ab. Im dem Büro sitzen 15 Kollegen, die sich während der Arbeit den Arsch abgefroren haben. Die Drei zeigten sich nicht wirklich beeindruckt und haben ihre Arbeit für satte 35 Minuten wieder aufgenommen, um danach für eine Stunde in ihre Mittagspause zu verschwinden. Glücklicherweise hatten sie Fensteröffnung verschlossen, so dass wir ungestört und trocken weiterarbeiten konnten. Nach deren Mittagspause ging das Spiel weiter, nach einer Stunde kam die Aussage "Wir schnorren uns jetzt noch einen Kaffee und dann gehen wir erst mal eine rauchenâ". Das war dann der Zeitpunkt, an dem ich zum Telefonhörer griff und den Kollegen von der Fremdfirmenüberwachung anrief. Er hatte nicht das geringste Verständnis für das Verhalten der Handwerker und keine 2 Minuten später klingelte das Handy des Vorarbeiters. Während des Telefonats wechselte er 3-4x die Gesichtsfarbe und wenn Blicke töten könnten, dann gäbe es mich heute nicht mehr. Und siehe da, als ich heute Morgen in mein Büro kam, da waren alle Scheiben gewechselt. Manchmal wundert es mich nicht, dass Handwerker so einen schlechten Ruf haben. So ein paar Typen können die Reputation einer ganzen Berufsgruppe versauen.
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