...bietet der Vorschlag von Bundesbildungsministerin Annette Schavan, die "Top-Leute" aus der Wirtschaft an Schulen unterrichten lassen möchte.
Im Grundzügen hat dies durchaus seine Berechtigung, aber in Detail betrachtet würde das Vorhaben schnell scheitern. Lehrer ist man nicht einfach, Lehrer sein muss man lernen. Die wenigsten Ingenieure werden ihren Fachbereich auf Lehramt studiert haben und könnten mit einer Gruppe Jugendlichen überhaupt nicht umgehen. Ich stelle mir gerade vor, dass ich (nein, ich sehe mich nicht als Top-Mann, aber der Gedanke ich stände vor einer Klasse ist schon irgendwie grotesk) in $IrgendeineGroßstadt in eine 9. Klasse gehen müsste, um dort 2 Stunden $Irgendeinhauptfach zu unterrichten. Das wäre definitiv zum Scheitern verurteilt, nach 3 Minuten wäre ich in einer Situation, mit der ich nicht umgehen könnte und die mich zu falschen Handlungen verleiten würde. Ich habe Grundkenntnisse in Erwachsenenpädagogik, eine Moderatorenausbildung und eine erweiterte Rhetorik- und Kommunikationsausbildung, aber qualifiziert mich das für die Ausbildung von Jugendlichen? Ganz bestimmt nicht, mit Erwachsenen kann man ganz anders umspringen, die Konflikte, die in Erwachsenenschulungen auftreten sind völlig anderer Natur (wen es interessiert, Stichwort: Teamuhr). Erwachsene bekunden ihr Desinteresse meistens durch mangelnde Mitarbeit und Schweigen, aber stören in den wenigsten Fällen durch verbale Auffälligkeiten. I.d.R. sitzen Erwachsene freiwillig in diversen Weiterbildungen und werden nicht durch das Bildungssystem dazu gezwungen.
Es wäre richtiger die "Top-Leute" an die Schulen zu holen, um den Schüler aufzuzeigen wie wichtig Bildung ist und wie weit man damit kommen kann. Hier halte ich die pure Angeberei für die beste Methode, um Interesse an Bildung zu wecken. Wer möchte nicht ein gesichertes Einkommen, einen gesellschaftlichen Status, ein Haus, dickes Auto, usw. haben? Sicher, in der unteren Bildungsschichten und in Schulen, die in sozialen Brennpunkten liegen, wird der Ergebnis eher bescheiden ausfallen, aber jeder Schüler, der auch nur eine Sekunde dazu angeregt wird über seine Zukunft nachzudenken ist ein Gewinn. Ziel muss es sein die Jugendlichen auf die nächste Motivationsebene zu heben (Stichwort: Maslowsche Bedürfnispyramide) und das geht am besten durch Personen, die dies bereits erreicht haben. Klar, es wird sehr oft in die Hose gehen, ich erinnere mich an den Tag, an dem ein Betriebsrat vor mir stand und versuchte mich von den Vorteilen der Mitgliedschaft zu überzeugen. Der Typ war derart selbstverliebt und großkotzig, dass ich mir lieber einen Nagel in die Hand gehauen hätte als in die Gewerkschaft einzutreten. Aber bei vielen anderen Kollegen hatte der Typ Erfolg.
Frau Schavan sollte ihren Vorschlag verfeinern und zu Ende denken, er läßt sich in abgewandelter Form bestimmt umsetzen, ohne einem ganzen Berufszweig auf die Füße zu treten.
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