...riskieren einige Kollegen ihren Arbeitsplatz. Sie riskieren ihn nicht nur, sie haben ihn teilweise sogar verloren. Bedingt durch die hohe Auftragslage hatten (und haben wir auch noch) sehr viele Mitarbeiter aus Zeitarbeitsfirmen beschäftigt, die in Kürze fast ausnahmslos Firma verlassen müssen, weil ihre Arbeitsplätze durch Stammmitarbeitern aus anderen Unternehmensbereichen, in denen es gerade nicht so gut läuft, ersetzt werden. Ich will hier überhaupt nichts pauschalisieren, aber von den Zeitarbeitern waren vielleicht 10 Prozent wirklich gute Mitarbeiter, der Rest war unmotiviert und schlecht ausgebildet. Im letzten Einstellungsschwung kamen 12 neue Werker von einer Zeitarbeitsfirma, alle 12 waren Raucher und machten gar keinen Hehl daraus, dass ihnen die regulären Pausen nicht ausreichen, um ihren Nikotinsucht zu befriedigen. Bei uns ist das Rauchen in geschlossenen Gebäuden streng verboten, so dass die Raucher für jede Zigarette die Werkshalle verlassen müssen. Je nach Arbeitsplatz kann es durchaus 3-5 Minuten dauern bis man überhaupt das Gebäude verlassen hat. Wir haben einige Spezialisten, deren Tagesablauf sieht folgendermaßen aus:
6:00 Uhr - Arbeitsbeginn
7:00 Uhr – erste (unerlaubte) Zigarettenpause
7:30 Uhr – Frühstück holen mit anschließender Zigarettenpause
8:15 – 8:30 Uhr – Frühstückspause
9:00 Uhr – unerlaubte Zigarettenpause
10:00 Uhr – unerlaubte Zigarettenpause
11:15 Uhr – unerlaubte Zigarettenpause, danach Mittagspause bis 12 Uhr
13:00 Uhr – unerlaubte Zigarettenpause
13:45 Uhr – unerlaubte Zigraettenpause
14:20 Uhr – unerlaubte Zigarettenpause, danach Feierabend
So kommen locker 90 Minuten täglicher Leistungsausfall zusammen, von denen nur rund 25 Minuten durch persönliche Verteilzeiten abgedeckt sind.
Was ich hier schildere ist leider keine Ausnahme, sondern betrifft 20 Prozent der Abteilungsangehörigen. Die Gewerkschaft gibt diesen Kollegen volle Rückendeckung mit dem Argument "Die Firma erlaubt das Rauchen, da muss sie auch mit den Rauchern leben. Weiterhin sind Fehlleistungen durch Gruppenakkorde nicht zu bewerten und dürfen nicht als Gegenargument verwendet werden. Man steht der Situation machtlos gegenüber – aber auch nur fast.
Jeder der Leiharbeiter erhält mit dem Ende seiner Beschäftigung ein Arbeitszeugnis, das bei den meisten den winzigen Satz "Eine Wiedereinstellung wird nicht empfohlen"enthält, was eine weitere Vermittlung des Arbeiters fast unmöglich macht.
Bei der heutigen wirtschaftlichen Lage sollte doch jeder froh sein, wenn er einen einigermaßen sicheren Arbeitsplatz hat und sollte diesen nicht durch absolut unsinnige Aktionen gefährden, aber scheinbar ist diesen Leuten ihre Zigarette wichtiger als ihr monatliches Einkommen.
Ich kann diese Einstellung nicht verstehen.






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