...seit langer Zeit mal wieder am Computer. Früher hatte ich richtig Spaß am Zocken, vor 15 Jahren konnte man mich mit einem gepflegten Spielchen am Computer begeistern. Damals war noch nicht alles übertechnisiert und grafisch überladen. Die Spiele (ausschließlich RPG) hatte Tiefe, Humor und konnten mich über Wochen an den Bildschirm fesseln. Irgendwann kam der Umbruch, der Spielwitz ging verloren. Die Geschichten waren alle gleich und tolle Grafik ersetzte fesselndes Gameplay. Lediglich 1998 konnte mich „Baldur's Gate“ für Wochen zurück an den Bildschirm locken und eben jenes Programm zählt noch heute zu meinen Lieblingsspielen. Grafik, Story und Umsetzung waren ein Meisterwerk und selbst nach dem 5. Durchspielen konnte man immer noch etwas neues entdecken. „Baldur's Gate“ gilt für mich heute noch als Referenz für ein gutes Computer-RPG.
Durch Zufall habe ich auf irgendeiner Webseite einen Testbericht zu „Dragon Age Origins“ gelesen und in diesem Test wurde das Spiel als würdiger Nachfolger für „Baldur's Gate“ bezeichnet. Diese Aussage habe ich schon sehr oft gehört, so dass ich auch noch auf anderen Computerspielseiten recherchiert habe. Alle Seiten behaupten unisono das gleiche: Wer BG liebt, der muss auch DAO lieben. OK, das hat mir gereicht, um das Spiel zu kaufen.

Ich vertrete die Auffassung, dass ein Spiel nur Spaß machen kann, wenn ich mich nicht durch 200 Seiten Handbuch wühlen muss und Tage brauche, um mich an die 50 Tastaturbefehle zu gewöhnen. DAO hat genau so ein Handbuch und fast jede Taste ist mit irgendeiner Funktion belegt. Glücklicherweise gibt es ein „aber“, denn man braucht diese Tasten (fast) nicht, das Spiel lässt sich bis auf wenige Funktionen fast ausschließlich mit der Maus bedienen. Dafür gibt es den ersten Pluspunkt. Weiter geht es mit der Installation, die einige Zeit in Anspruch nimmt. Das Spiel ist sehr umfangreich, deshalb werden auch Unmengen Daten auf die Festplatte geschaufelt. Egal, Festplattenspeicher ist heutzutage kein Thema mehr. Weiter geht es mit der Charakterauswahl, die am Anfang (später eigentlich auch nicht) wenige Entscheidungsmöglichkeiten zulässt. Man muss sich lediglich entscheiden, ob man den Gentleman oder der Gauner spielt. Ich habe mich für ersteren entschlossen - Ehrlichkeit siegt. Los geht es mit der ersten Quest, die gleich erkennen lässt wie wichtig moralische Entscheidungen für den weiteren Spielverlauf sind. Einmal die falsche Dame beleidigt und schon zickt die Gute herum und man bekommt eine Quest weniger. Sehr schön, ein weiterer Pluspunkt für die Spieltiefe. Auffallend ist die Gesprächigkeit der Spielfiguren (PC und NPC), die jeden Freund des schnellen Gameplays ganz schnell zur Deinstallation treiben. Die Damen und Herren labern und labern, aber all das Gelaber dient der Story, so dass der Spieler tunlichst zuhören sollte, weil ihm sonst wichtige Hinweise entgehen. Die Sprecher (deutsch und englisch) sind sehr gut gewählt und können den Charakter der Personen gut transportieren. Ein weiterer Pluspunkt für die Umsetzung. Die Grafik der Cutscenes und die Animationen der Spielfiguren sind sehr gut und fangen auch nach längerer Spielzeit nicht an zu nerven. Allerdings sind die Landschaften/Dungeons ein wenig gewöhnungsbedürftig, alles wirkt aufgepappt und kulissenhaft. Die Umgebungsgrafik hat teilweise den Flair einer „Gute Zeiten.- schlechte Zeiten“ Folge. Dieser Umstand stört nicht wirklich - er fällt aber auf. Wirklich zu bemängeln ist die „Blutigkeit“ von DAO, mache Kämpfe arten in ein einziges Gemetzel auf Splatterniveau aus. Das hätte man etwas sparsamer dosieren können. Machen mag das freuen, aber für mich wirkt es eher störend. Dafür gibt es einen sehr subjektiven Minuspunkt.
Die KI der Gegner ist durchwachsen, mit etwas Geschick kann man mit Fernwaffen eine riesige Gruppe Bösewicht ohne jegliche Gegenwehr platt machen, wenn man allerdings den kleinsten Fehler macht, dann nutzen die Gegner dies gnadenlos aus. Selbst in der einfachsten Spielstufe darf man sehr oft einen alten Spielstand laden, weil von der eigenen Truppe nicht mehr viel übrig geblieben ist. Wer gut taktieren kann, der wird hier weniger Probleme haben. So muss es sein, ein weiterer, sehr dicker Pluspunkt.
Der Umfang von DAO ist gewaltig, neben der Hauptquest gibt es duzende (vielleicht sogar hunderte) von Nebenquests, die dem Spieler abhängig von getroffenen Entscheidungen zur Verfügung stehen.
Ist DAO nun der Nachfolger von BG? Ja und nein. Spieltiefe, Atmosphäre und Bedienung sind ähnlich, der Spassfaktor enorm und der Reiz noch schnell ein paar Minuten zu spielen ist gewaltig. Lediglich die übertriebene Darstellung von Gewalt ist ein wenig störend, aber das muss jeder für sich selbst entscheiden. Fazit: Fans von BG – sagt alle Termine ab, ihre braucht eure Freizeit für DAO.
Geschrieben von Jester
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