igklingelt es in der Vorweihnachtszeit besonders häufig. Normalerweise sind es die Ausfahrer diverser Zustellunternehmen, die uns Päckchen und Pakete bringen, aber gestern hatte ich zwei besonders eifrige Mitglieder unserer Gesellschaft an der Backe. Vor meiner Tür stand ein junges Paar, mit konservativer Kleidung und seligem Gesichtsausdruck. Der junge Mann war eine eher durchschnittliche Erscheinung, die junge Frau hatte gute Chancen den nächsten Modelcontest zu gewinnen.
Das Gespräch war vom Allerfeinsten.
(S)ie: Guten Tag, mein Herr. Wir möchten uns mit ihnen über Gott unterhalten, haben sie ein paar Minuten für Gott.
(I)ch: Selbstverständlich, welchen Gott meinen sie denn, ihren oder meinen.
(E)r: Es gibt nur einen allmächtigen Gott, der alle Weisheit der Welt in sich vereint.
I: Sie meinen Dieter Bohlen?
S: Lustig, aber wir meinen natürlich den Gott, der über uns wacht und uns jeden Tag Freude und Hoffnung schenkt. Den Gott, der überall zugleich ist und für jeden da ist.
I: Jetzt verstehe ich, sie meinen natürlich James Brown. Ich finde es auch sehr schade, dass er gestorben ist.
S: James Brown, wer immer das auch sein mag, ist auch ein Teil von Gott.
I: Sie kennen James Brown nicht und wollen mir etwas von Gott erzählen?
S: Gott hat doch keinen Namen und kein Antlitz.
I: Doch, auf seinen CDs sind Fotos von ihm.
S: Nicht unser Gott.
I: Wieso ihr Gott, eben sagten sie noch, dass er für alle da wäre?
E: Sie haben recht, Gott ist für uns alle da, wir huldigen ihm mit Gebeten und Liedern.
I: Also doch James Brown.
S: Wir kennen James Brown nicht.
I: Sind sie sicher, dass ihr Partner ihn nicht kennt?
E: Doch, ich habe schon von ihm gehört, er war ein drogensüchtiger Soulsänger, der mit "Sexmachine"einen großen Hit hatte.
S: Ach, was du alles kennst.
I: Sehen sie, James Brown ist allgegenwärtig und jeder kennt ihn.
S: Ich nicht!
I: Wie wäre es, wenn sie hereinkommen, ich lege eine CD von ihm auf und denn lernen wir uns gemeinsam kennen.
S: Wir möchten aber über Gott reden.
I: Nichts anderes möchte ich auch.
S: Ja, aber ich möchte über den einzigen, allmächtigen Gott reden.
I: Ich auch, deswegen sollen sie doch reinkommen und ihn kennen lernen.
E: Ok, dann kommen wir mal rein.
I: Ne, von ihnen war da nicht die Rede, ich meinte nur die hübsche junge Dame.
E: Wir kommen nur gemeinsam zu ihnen.
I: Aber sie kennen James Brown doch schon. Gell, sie sind ein Fan von ihm und wollen es nicht zugeben.
E: Nein, ich bin kein Fan, aber wir machen alles gemeinsam.
I: Alles?
E: Ja, alles!
I: James Brown haben sie aber nicht zusammen gehört, sonst würde sie ihn kennen.
E: Komm Claudia, das hat hier keinen Zweck, wir kommen irgendwann noch einmal wieder.
I: Rufen sie vorher an, dann besorge ich noch mehr CDs von James Brown.
E: Sie nehmen das Gespräch nicht ernst, wir möchten ernsthaft mit ihnen über Gott reden.
I: Ich würde niemals Scherze über James Brown machen, er ist im Himmel und sieht alles.
E: Auf Wiedersehen, mein Herr!
S: Ja, auf Wiedersehen, mein Herr!
I: Get up! Staying on the scene, like a Sexmachine...
STRIKE!
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